Baden-Württemberg ist von der aktuellen wirtschaftlichen Krise und von strukturellen Standortdefiziten nach Einschätzung der Unternehmen in der Metall- und Elektroindustrie (M+E) besonders stark betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt die regionale Auswertung einer bundesweiten Umfrage der Metallarbeitgeberverbände.
Demnach schätzen die Firmen im Land nicht nur ihre aktuelle Lage schlechter ein als der Bundesdurchschnitt. Sie haben auch pessimistischere Erwartungen an das Gesamtjahr 2026 und rechnen in größerer Zahl mit einem weiteren Beschäftigungsabbau. „Die aktuellen Konjunkturdaten deuten ebenfalls nicht auf eine Wende hin“, sagte Oliver Barta, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, letzte Woche in Stuttgart: „Wir haben ein veritables Kostenproblem hier am Standort. Unsere Unternehmen finden kaum noch ein funktionierendes Geschäftsmodell für die heimische Produktion, die Firmen investieren immer weniger im Land."
Im Mai sind noch einmal knapp 2.000 Jobs in der M+E-Industrie im Land verlorengegangen. Seit dem Höchststand von 2019 summiert sich der Verlust damit auf rund 85.000 Arbeitsplätze. „Uns bereitet große Sorgen, dass sich bei uns eine signifikant schlechtere Entwicklung abzeichnet als im Rest der Republik“, sagte Barta. So rechnen in Baden-Württemberg genau 50 Prozent der Firmen mit einer sinkenden Beschäftigung – gegenüber 41 Prozent im Bundesdurchschnitt.
Nach belastenden Standortfaktoren gefragt, nennen die baden-württembergischen Unternehmen am häufigsten die Arbeitskosten (89 Prozent), gefolgt von Bürokratie und Regulierung (86 Prozent) und der Wirtschaftspolitik und Planungssicherheit (74 Prozent). Aber auch die Energiepreise und der Stand der Digitalisierung wird von mehr als der Hälfte negativ bewertet. Barta: „Ohne schon bald spürbare Verbesserungen der Rahmenbedingungen droht der Verlust von weiterer industrieller Substanz. Nun ist kluges und entschlossenes Handeln von Politik und Sozialpartnern gefragt, um dies zu ändern."
Dr. Alexander Lägeler
Geschäftsführer
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