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Eintrag vom 12.04.2022

Energiewirtschaft und Industrie in Baden-Württemberg beraten über notwendige Schritte für den Fall einer Gasmangellage

Mit dem Krieg in der Ukraine ist die Energieversorgung in Baden-Württemberg und die Abkehr von fossilen Energieträgern verstärkt in den Fokus geraten. Aktuell ist die Gasversorgung in Baden-Württemberg für die Industrie sicher. Für den kommenden Winter kann eine Gasknappheit nicht ausgeschlossen werden. Wegen dieser Situation wurde bundesweit bereits die Frühwarnstufe des Notfallplan Gas ausgerufen.

Gas

Stuttgart – Energiewirtschaft und Industrie in Baden-Württemberg arbeiten an Lösungen, um sich bestmöglich auf ein solches Szenario vorzubereiten. Am 12. April 2022 informierten die Verbände Unternehmer BW (UBW), der Verband für Energieund Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e.V. (VfEW), der Großabnehmerverband (GAV) und der Verband der chemischen Industrie Landesverband Baden-Württemberg (VCI BW) gemeinsam in einem Webinar über mögliche Szenarien. Daraus resultierende notwendige Schritte nach dem Notfallplan Gas diskutierten mehr als 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Gewerbe und Energiewirtschaft.

„Der Krieg in der Ukraine und das Vorgehen Russlands sorgen auch bei uns für Entsetzen und wir begrüßen jegliches Engagement, um das Leid der Menschen in der Ukraine zu beenden“, betont Torsten Höck, Geschäftsführer des Verbandes für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg e. V. Ein Gasembargo, wie es derzeit von vielen Seiten gefordert wird, hätte jedoch enorme Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg. Derzeit stammen ca. 40 Prozent des in Deutschland eingesetzten Gases aus Russland. Hinzu kommen aktuell vor allem Liefermengen unter anderem aus Norwegen sowie Belgien/Luxemburg. „Aktuell wird viel getan, um die Gasmengen aus Russland zu substituieren, sei es durch den Bezug von LNG oder das Hochfahren der Gasmengen aus anderen Ländern“, so Höck. „Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt, daher arbeiten wir mit allen Akteuren daran, um uns bestmöglich vorzubereiten.“

Während Haushalte und Krankenhäuser zu den geschützten Kunden gehören, könnten Industriebetriebe zu den ersten zählen, auf die Einschränkungen zukommen. „Wir müssen bedenken, dass ein Gaslieferstopp und in der Folge eventuell notwendige Abschaltungen oder Lieferreduzierungen unabsehbar negative Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg haben könnten. Wir sprechen hier auch über die Sicherheit von tausenden Arbeitsplätzen“, betont Wolfgang Wolf, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied von UBW. Er begrüßt daher die Transparenz der Vorgehensweise, die durch das gemeinsame Webinar zu Prozessen und Maßnahmen bei Gasknappheit geschaffen werde. Der Austausch habe Vertretern von gasverbrauchenden Unternehmen wichtige Hinweise für die nächsten Schritten und Anhaltspunkte für ihr weiteres Agieren gegeben.

Winfried Golla, Geschäftsführer von VCI BW ist überzeugt: „Für den Fall eines kurzfristigen Erdgas-Lieferstopps nach Deutschland würden Chemieanlagen spätestens im Herbst 2022 stillstehen. Und das würde sich kurzfristig und gravierend auf fast alle Lebensbereiche und nahezu alle Branchen – Landwirtschaft, Ernährung, Automobil, Kosmetik und Hygiene, Bauwesen, Pharma oder Elektronik auswirken. Zahllose Produkte könnten nicht mehr hergestellt werden. Die Lieferketten würden reißen.“ Auch Wolfgang Ruch, vom Großabnehmerverband Energie Baden-Württemberg e.V. bestätigt: „Die Veranstaltung hat das gegenseitige Vertrauen der Unternehmen entlang den Wertschöpfungsketten und auch gegenüber der Energiewirtschaft gestärkt. Denn es ist klar, die Abschaltung eines Maschinenbauers oder Automobilherstellers betrifft zeitversetzt alle seine Lieferanten.“

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Dr. Alexander Lägeler

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